Logo der Gemeinschaftspraxis Sülze-Bergen

Gemeinschaftspraxis Sülze-Bergen

Cortison, Penicillin & Co.

Auszeichnung: Gute medizinische Website 2006
Seiten-Kompass: Gemeinschaftspraxis Sülze-Bergen > Medizin > Umstritten > Cortison
Zur Überschrift Einleitung
Zur Überschrift Cortison
Zur Überschrift Penicillin
Zur Überschrift Paracetamol
 Zurück zur Rubrik „Umstritten“

Einleitung

Medikamente haben unerwünschte Wirkungen. Jeder hat wohl schon einmal in den Medien oder im Bekanntenkreis Schreckliches über das eine oder andere gängige Medikament gehört.
Das Wissen um solche Nebenwirkungen ist sicher sehr sinnvoll, bewahrt es doch vor einem leichtfertigen Umgang mit Medikamenten aller Art. Eine Tendenz, Krankheiten mit Hausmitteln zu behandeln, über eine Umstellung der Ernährung Linderung zu erreichen und durchaus auch einmal Befindlichkeitsstörungen auszuhalten, statt diese „abschalten“ zu müssen, ist absolut zu begrüßen, solange man sich der Grenzen dieser Haltung bewusst ist.
Was nicht mehr zu tolerieren ist, ist jedoch die Angstmacherei, die um bestimmte Medikamente gemacht wird.

Dieser Artikel darf nicht so missverstanden werden, dass er einem leichtfertigen Medikamentenumgang das Wort redet, sondern gerade bei angstbesetzten Arzneimitteln ist es notwendig, den Boden der wissenschaftlichen Tatsachen wieder zu finden.
Immer gilt, dass der Arzt abwägen muss zwischen Häufigkeit und Schwere der unerwünschten Wirkungen und dem Nutzen, den der Patient durch das Medikament hat.

Gerade auch bei diesem Thema gilt, dass eine kompetente Information wichtiger ist, als eine emotionelle Ablehnung.

Nach oben

Cortison

Um Cortison ranken sich so viele Gerüchte, dass wohl nahezu jeder dies vom Gefühl her erst einmal ablehnt. Ein Grund dafür ist sicher, dass es früher viel zu leichtfertig nahezu als Allheilmittel verordnet wurde. Dadurch stiegen natürlich auch die Fälle unerwünschter Nebenwirkungen.
Für einen verantwortlichen Umgang mit Cortison spricht aber so viel, dass man inzwischen sagen muss, dass eine pauschale Ablehnung von Cortison zu unterlassener Hilfeleistung führt, somit unverantwortlich ist:

Ohne Cortison würde keiner leben. Es ist ein körpereigenes Produkt, gehört zu den Glukokortikoiden. Die wichtigsten Vertreter sind Cortisol und Cortison.
Es ist ein Hormon der Nebennierenrinde mit Aufgaben bei der Glukoneogenese (= Zuckersynthese), Immunität, Wasser- und Elektrolythaushalt.

Das körpereigene Cortison ist jedoch relativ schwach wirksam mit vielen unerwünschten Wirkungen, deshalb hat man es inzwischen chemisch verändert, um mehr Wirkung bei weniger Nebenwirkungen zu erzielen. Nebenwirkungen können sein: Wundheilungsverzögerungen, Osteoporose (Knochenentkalkung), Magenbeschwerden, Vollmondgesicht, Stammfettsucht...

Diese Nebenwirkungen sind jedoch nicht zwangsläufig: Es gibt eine Schwellendosis, unterhalb der es praktisch keine unerwünschten Wirkungen gibt, oberhalb ist es auch in hohen Dosen unschädlich, wenn es nur kurz angewendet wird.
Dadurch kann man meist erreichen, dass bei richtiger Therapie der Patient die volle Wirkung hat, ohne dass unerwünschten Wirkungen auftreten.
Cortison ist z. B. unverzichtbar bei schweren allergischen Reaktionen, Status asthmaticus (unbegrenzter Asthmaanfall), Neurodermitis, bei der Asthmatherapie, bei schmerzhaften Rheuma und Multipler Sklerose.

Wer will heute dem Rheumatiker raten, lieber früher verkrüppelte Finger zu haben, als Cortison zu nutzen?

Neuere Studien zeigen sogar, dass eine regelmäßige Asthma-Therapie mit Sprays zur Erhöhung der Todesrate führt, wenn nicht ein Cortison-Spray dazu gegeben wird. Somit ist eine Asthma-Dauertherapie ohne lokales Cortison heute als Kunstfehler einzustufen.

Eine vernünftige Therapie sieht heute so aus, dass man Cortison wegen der Nebenwirkungen natürlich nicht leichtfertig gibt, aber dort konsequent, wo es nötig ist. Wenn man sich dann für eine Therapie mit Cortison entscheidet, dann gilt heute, dass eine falsche Bescheidenheit fehl am Platz ist: Hochdosiert anfangen, dafür früh wieder ausschleichen. Kleckern führt hier dazu, dass die Therapie länger durchgeführt werden muss, wodurch es mehr unerwünschten Wirkungen gibt.

Nach oben

Penicillin

Hier schwanken die Extreme sowohl bei den Ärzten als auch bei den Wünschen der Patienten (insbesondere junger Mütter) zwischen verschwenderischer Gabe bei jeder Erkältung bis hin zur völligen Verteufelung.

Penicilline sind eine ganze Gruppe von natürlichen Substanzen, die aus einem Schimmelpilz gewonnen wurden.

Die unerwünschte Wirkungen sind meist harmlos (Durchfall, Hautausschlag), lediglich eine Penicillin-Allergie kann sehr ernst sein und - so wie jede Allergie auf eine Substanz - sogar tödlich verlaufen. Dazu ist aber zu sagen, dass Penicillin-Allergien selten sind und viel zu oft diagnostiziert werden. Fast immer handelt es sich bei der Penicillin-„Allergie“ lediglich um den Hautausschlag, der als normale Nebenwirkung auftreten kann.

Ein Problem ist die Dosierung des Penicillins:
Ein gedankenloses Streuen des Penicillins ohne Indikation führt zu Resistenzen. Ebenso eine zu kurze oder unregelmäßige Gabe. Leider neigen Patienten zum Absetzen der Therapie, wenn sie sich besser fühlen.

Eine ganz große Gefahr liegt in der Entwicklung von Resistenzen. Werden Keime nicht zuverlässig abgetötet, weil Penicillin unnötig, unregelmäßig oder zu kurz gegeben wird, können sich die Bakterien darauf einstellen und Strategien zur Abwehr des Penicillins entwickeln.
So gibt es z. B. in Spanien bei einigen Keimen schon in 50% der Fälle Resistenzen, in Ungarn gar 70%. Ähnlich sieht es leider auch bei anderen Antibiotika aus, so dass es immer mehr Bakterien gibt, gegen die wir keine Medikamente mehr haben.
In Deutschland sind Penicillin-Resistenzen nur sehr vereinzelt anzutreffen. Der Grund ist, dass wir in Deutschland eine Hochdosistherapie machen, die zuverlässig alle Bakterien abtötet.

Fazit: Es gibt eine Reihe von Infektionen, bei denen ein Antibiotikum eingesetzt werden muss, um schlimme Folgeerkrankungen zu verhindern. Dabei ist Penicillin das von den Nebenwirkungen harmloseste Antibiotikum. Es muss aber unbedingt konsequent, hochdosiert und ausreichend lange eingesetzt werden, wenn man Resistenzen verhindern will. Genauso darf es aber nicht leichtfertig eingesetzt werden. Ein routinemäßiger Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung bedroht uns als gefährliche Zeitbombe.

Nach oben

Paracetamol

Daran, dass Paracetamol überhaupt in Verruf gekommen ist, hat besonders Frau Schreinemakers einen wesentlichen Anteil, indem sie einen Todesfall unter Paracetamol groß im Fernsehen aufbereitet hat.

Diese Botschaft ist angekommen, die Tage danach hatten die Ärzte Deutschlands alle Hände voll zu tun, besorgte Eltern zu beruhigen, wird doch Paracetamol regelmäßig gegen Fieber und Schmerzen selbst bei kleinen Kindern eingesetzt.

Was der Fernsehbericht unterschlagen hat, war die Information, dass das betroffene Kind eine 30fache Höchstdosis bekommen hatte. Wie es dazu kommen konnte, ist mir nicht bekannt, normaler Weise werden Eltern aber kaum auf die Idee kommen, die Maximaldosis so weit zu überschreiten.

Hierzu ist eigentlich nur noch kurz hinzuzufügen, dass Paracetamol eins der besten und harmlosesten Medikamente ist, die wir überhaupt haben. Trotzdem sind natürlich, wie bei jedem Medikament, extrem selten auch schwere unerwünschte Wirkungen möglich, was allerdings bei richtiger Dosis fast ausgeschlossen ist.

 Zurück zur Rubrik „Umstritten“
Nach oben Navigationsleisten nachladen Letzte Änderung dieser Seite: