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Gemeinschaftspraxis Sülze-Bergen

„Alternative“ Medizin

Auszeichnung: Gute medizinische Website 2006
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Zur Überschrift Irrtümer zur „Alternativen“ Medizin
Zur Überschrift Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff
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Einleitung

Dies ist sicherlich eines der schwierigsten Themen in der Medizin. Denn in diesem ganzen Kapitel der „Alternativen Medizin“ geht es nicht nur um Sachfragen, sondern es geht sehr viel um Erfahrungen, um Weltbilder und Vorurteile.

Das größte Problem ist die emotionelle Aufgeladenheit, mit der dieses Thema oft diskutiert wird. Die meisten Menschen, die in medizinischen Berufen tätig sind, haben zu diesem Thema eine feste Meinung dafür oder dagegen, und oft wird darüber nur diskutiert, indem jeder seinen Standpunkt verteidigt, ohne noch die Argumente anderer zu überdenken. Das ist sicherlich auch schwer: Wenn man sehr von etwas überzeugt ist, neigt man dazu, es als absolut wahr zu sehen und versteht kaum, warum die anderen das nicht auch erkennen.

Ich will versuchen, das Thema auf die Sachebene zurück zu ziehen, will aber auch meine ganz persönliche Bewertung nicht vorenthalten.

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Irrtümer zur „Alternativen“ Medizin

Hier möchte ich einige Thesen vorstellen, die allerdings so zugespitzt sind, dass sie leicht als Irrtum zu erkennen sind.

Schulmedizin ist von vornherein schlecht - Alternative Medizin ist von vornherein schlecht
Solche absoluten Thesen sind natürlich immer falsch. Trotzdem spukt das in manchen Köpfen herum. Somit liegt hier sicher eins der größten Probleme. Es gibt so viele Fehlinformationen, so vieles was man nur irgendwo gehört hat, jeder hat etwas dazu zu sagen und die meisten haben keine Ahnung wovon sie sprechen. Dem möchte ich ein bisschen abhelfen, denn man sollte nie etwas ablehnen oder vertreten, ohne dass man die Hintergründe versteht.
Was ist schlecht daran, wenn ein bestimmtes Medikament im Körper an einen Rezeptor bindet, diesen blockiert und dadurch Schmerzen weg sind? (Schulmedizin)
Umgekehrt: Was ist schlecht an einer Medizin, die den Menschen ganzheitlich betrachten will? (Alternative Medizin)

Ärzte sind Schulmediziner, sie lehnen alternative Therapien meist ab, da sie nichts davon verstehen, weil sie im Studium nichts darüber gelernt haben
Das stimmt teilweise sicher noch für den offiziellen Lehrplan. Inzwischen werden aber so viele Kurse angeboten, dass jeder Arzt die Möglichkeit hat, sich damit ausführlich zu beschäftigen.
Es gibt natürlich Ärzte, die keine Ahnung zu diesem Thema haben, weil sie sich nie damit beschäftigt haben.
Die meisten Ärzte unterstützen bestimmte alternative Therapien oder lehnen sie gerade deshalb ab, weil sie sich damit beschäftigt haben.

Alternative Medizin = Natürlich - Schulmedizin = Chemisch = Unnatürlich
Das ist eine ganz schlechte Einteilung. Wohin gehört der Tee, den Ärzte bei Erkältung zumeist empfehlen? Zur Schulmedizin, da er von Ärzten empfohlen wurde? Zur Alternativen Medizin, da er pflanzlich ist?
Viele unserer herkömmlichen Medikamente entstammen Pflanzen oder Tieren: Penicillin, Cortison, Insulin, Digitalis, die meisten Chemotherapeutika. Das ist unstrittig Schulmedizin.
Die Alternative Medizin hat ebenfalls Extrakte aus Pflanzen, Tieren, Mineralien... Das Extrahieren ist nichts anderes als ein chemisch-physikalischer Vorgang. Zudem kennt sie großtechnische Verfahren: Druckkammern, Sauerstofftherapie, Magnettherapien...

Studien haben längst die Wirksamkeit alternativer Verfahren erwiesen
Hier kommt es natürlich darauf an, was man unter alternativen Verfahren versteht. Richtet man sich nach meiner unten angegebenen Definition, dann gilt: Es gibt bisher keine einzige wissenschaftlich fundierte Studie.

Da alternative Medizin andere Grundlagen hat als Schulmedizin, können wissenschaftliche Studien auch kein positives Ergebnis bringen
Dies ist ein häufiges Argument derer, die Alternative Medizin betreiben und begründen wollen, warum es keine positiven Studien gibt.
Diese Aussage ist insofern richtig, dass sich die Wirkungsweise alternativer Medizin nicht schulmedizinisch erklären lässt, da es ein völlig anderer Ansatz ist. Sie ist aber falsch, wenn es nur um eine Studie geht, die einfach vergleicht, wie häufig das alternative Medikament geholfen hat, wie häufig ein Placebo (= Scheinmedikament). Auch hier gibt es bisher keine positive Studie.

Es ist doch völlig logisch, dass ein selbst hergestellter pflanzlicher Extrakt (z. B. Tee) immer besser sein muss als ein chemischer Extrakt
Für die meisten Hausmittel gilt das sicher. Ich würde den eigenen Kamillentee immer dem gekauften Kamillenextrakt zum Anrühren vorziehen.
Sonst ist diese Aussage aber völlig falsch: Ein chemischer Extrakt gewährleistet, dass ich wirklich nur den einen Stoff darin habe. In selbst hergestellten Extrakten schwirren die verschiedensten Inhaltsstoffe herum. Das kann gefährlich sein, wenn z. B. aus der Pflanze auch giftige Stoffe gelöst werden. So gab es in jüngster Zeit einige Todesfälle bei bestimmten chinesischen Heilkräutern.

Chemische Medikamente sind hart, natürliche Medikamente sanft
Es gibt wohl kaum so wirksame Gifte wie die natürlichen: Digitalis, Morphium, Curare, Chemotherapeutika.
Diese alle sind pflanzlicher Herkunft, aber in der Schulmedizin eingesetzt.

Selbst wenn Alternative Medizin unwirksam ist, so ist sie wenigstens nicht schädlich
Das gilt nicht so pauschal. So gab es Todesfälle durch chinesische Heilkräuter, bei bestimmten Diäten (Rotationsdiät: Es wurde ein Nahrungsinhaltsstoff lange eliminiert, dann wieder zugeführt und einzelne Patienten starben an einem anaphylaktischen Schock (= schwere allergische Reaktion))
Auch das Vorenthalten wirksamer Therapie ist eine große Gefahr. So gibt es immer wieder Todesfälle, weil Patienten nicht rechtzeitig wirksam behandelt werden. Kürzlich wurde erst ein „Krebsarzt“ deshalb verurteilt.

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Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff

Wie in den Thesen festgestellt, sind die Begriffe „Alternative Medizin“ und „Schulmedizin“ völlig unbrauchbar (s. o.). Wohin gehören z. B. die Naturheilverfahren? Die Schulmedizin hat jede Menge naturheilkundlicher Verfahren (Pflanzentherapie, Klimatherapie, Mistel...), andere Naturheilverfahren lehnt sie mit guter Begründung ab. Ebenso der Begriff Alternative Medizin: Auch Zeit zu haben, ganzheitlich zu denken ist alternativ, sollte aber auch zur Schulmedizin gehören.

Deshalb hier ein Vorschlag für andere Begriffe, damit eine bessere Einteilung möglich wird:
Wissenschaftliche Medizin - Ideologische Medizin
Der Begriff Ideologie ist dabei überhaupt nicht negativ gemeint, sondern bezeichnet die Tatsache, dass diese Medizin nur verständlich ist, wenn man eine Glaubensannahme macht, die nicht beweisbar ist. Und an einem Glauben ist zunächst nichts Schlechtes.

Ein Beispiel dafür: Viele Heilmethoden haben als Grundlage die Annahme, dass das Energiegleichgewicht des Körpers durcheinander geraten ist. Stärke man positive Energien, werden negative zurückgedrängt. Dass es solche Energien gibt, lässt sich nicht beweisen, ist also eine Glaubensannahme. Wenn ich an die Existenz solcher Energien glaube, kann ich auch die entsprechenden Therapien verstehen. Glaube ich an solche Energien nicht, habe ich kein Verständnis für solche Praktiken.

Hier kommt die wichtigste Aussage zu diesem Thema. Wenn man diese versteht, dann kann man mit anderen Meinungen zu verschiedenen Therapien viel besser umgehen:
Jeder hat ein Glaubens- oder Menschenbild und meint dann, dass eine bestimmte Therapie ganz klar ist, das müsste jeder doch verstehen. Doch andere haben ein anderes Weltbild.

Hier ein paar Beispiele, wie mit den neuen Begriffen eine Einteilung viel leichter wird:

 
  Wissenschaftliche Medizin   Ideologische Medizin  
 
Der Wirkmechanismus ist bekannt oder zumindest wissenschaftlich vorstellbar, die Wirksamkeit in Studien nachgewiesen Die Grundlage ist eine Glaubensannahme
 
Chemische Medikamente
Pflanzenheilkunde
Klimatherapie
Akupunktur
Homöopathie
Heilung mit Energien, Magnetismus
Pendeln
Glaube an einen heilenden Gott
Eigenblut-, Eigenharntherapie
 


Wichtig zum Einordnen einer Therapie ist die Auseinandersetzung mit dem, was dahinter steht. Unkritisches Übernehmen ist immer gefährlich. Eigentlich müsste man jetzt jedes einzelne Verfahren durchsprechen, doch hier nur am Beispiel:

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Homöopathie

Irrtümer
„Homöopathie ist dasselbe wie Pflanzenheilkunde.“
Das ist falsch. Sie hat primär nichts mit Pflanzen zu tun, sondern Inhaltsstoffe können pflanzliche oder tierische Produkte, Mineralien... sein.

Hier einmal die Inhaltsangabe eines sehr häufig verwendeten homöopathischen Nasensprays, Euphorbium compositum: Neben 3 verschiedenen Kräutern Quecksilberjodid, Nasenschleimhaut vom Schwein, aufbereiteter Nasenschleim von Erkrankten an Nasennebenhöhlenentzündung, Silbernitrat, Konservierungsstoff.

Während Pflanzenheilkunde einfach nur bedeutet: Ich gebe ein pflanzliches Medikament, das dann erklärbar wirkt, ist die Grundlage der Homöopathie ein völlig anderes Therapieprinzip (s. u.).

„Muss es so etwas Chemisches sein, kann es nicht auch Homöopathie sein?“
Diesen Satz kann ich kaum noch hören. Erstens ist z. B. Cortison natürlicher als Homöopathie (da Cortison ein körpereigener Stoff ist), zweitens meinen die Patienten zumeist, ob es nicht etwas Pflanzliches sein kann (s. o.)

Erfinder
Dr. Samuel Hahnemann (1755-1843, Arzt)

Herstellungsverfahren
Ein Wirkstoff wird 1:10 verdünnt und muss dann exakt 10 mal geschüttelt/verstrichen werden, dann wieder 1:10 verdünnt... Das nennt man potenzieren.

Hierfür kennt die Homöopathie verschiedene Abkürzungen, z. B.
D1 = 1:10 verdünnt
D6 = 1:1.000.000 verdünnt

Wirkprinzip
Ähnliches mit Ähnlichem heilen, d. h. ich gebe z. B. einen Stoff, der Fieber auslöst, verdünnt gegen Fieber.
Durch Rühren werden geistartige Kräfte der Stoffe freigesetzt (Hahnemann), es kommt kosmische Energie in die Substanz, die dann heilt.

Beurteilung
Es ist medizinisch nicht begründbar, warum ein Fieber auslösender Stoff von Fieber heilen sollte. Das Argument, dies sei doch das gleiche wie bei Schutzimpfungen, ist falsch, denn eine Schutzimpfung kann nie ein ähnlicher Stoff sein, sondern nur exakt der gleiche wie der Krankheitserreger, damit der Körper Antikörper bilden kann gegen den eigentlichen Erreger. Außerdem ist eine Schutzimpfung nur vorher gegeben wirksam, denn die Ausbildung von Antikörpern dauert.
Genaueres zur Schutzimpfung erfaren Sie in dem Artikel Wie funktioniert eigentlich - Die Schutzimpfung.

Extreme Verdünnung: Bei klassischen Homöopathen üblich: D200 = 1:1 mit 200 Nullen = Ein Molekül einer Substanz in der Menge Flüssigkeit des Bodensees. Das bedeutet, dass man einmal den Bodensee austrinken müsste, um ein Molekül Wirkstoff zu erhalten. Mir ist kein Stoff bekannt, bei dem schon ein einziges Molekül Wirkung hätte.

Geistartige Kräfte/Kosmische Energien: Wer daran glaubt, dem fällt es nicht schwer, Homöopathie zu akzeptieren. Ich persönlich kann es nicht glauben, und muss als Christ diesen anderen Glauben sogar ablehnen.

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Beurteilung

Eins der häufigsten Argumente in der Diskussion ist, dass Ideologische Medizin doch funktioniert, das hätte man selber erlebt oder bei anderen beobachtet.
Abgesehen davon, dass bisher die Wirksamkeit nicht häufiger nachgewiesen wurde als bei einem Placebo (= Scheinmedikament), wäre dann die Frage: Warum wirkt etwas, das nicht wirken kann?
Damit sind wir wieder im Reich des Glaubens, wo jeder seine eigene Antwort aufgrund seines Glaubens finden muss.
Woher wissen angeblich neutrale Energien, in welcher Richtung sie in einem Körper wirken müssen?
Wer oder was wirkt durch bestimmte Verfahren?

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