Über die Hälfte der Deutschen sind übergewichtig. Deshalb kann jeder Zweite hier mitreden. Und während SIE das Übergewicht nicht schnell genug loswerden kann, findet ER dicke Menschen gemütlich. Was nun aber Übergewicht ist, wie es entsteht, welche Folgen das hat und vor allem wie es beseitigt wird, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. In diesem Artikel bringen wir Ordnung in die Fülle der (Fehl-)Informationen.

Übergewicht ist nicht Gefühl

In der Einleitung steht es schon: Ein kleines Pölsterchen kann als sehr störend empfunden werden, während andere einen gewaltigen Bierbauch völlig normal finden. Deshalb hilft das Gefühl nicht weiter in der Frage, wann jemand übergewichtig ist.

Auch der Vergleich mit anderen tut es nicht mehr. Früher war es einfach: Wer dicker war als alle anderen, war zu schwer. Und wer dünner war, war untergewichtig. Wenn wir heute diesen Maßstab anlegen würden, dann würden normalgewichtige Menschen als magersüchtig gelten, denn der Durchschnitt der Menschen ist zu schwer.

Eine Zeitlang war der Broca-Index in: Einfach Größe Minus 100, dann bekommt man das Soll-Gewicht. Bei Männern noch 10%, bei Frauen 15% abziehen, dann ist es Ideal-Gewicht. Eine furchtbare Rechnung, denn gerade zu Frauen war das viel zu ungerecht.

Aktuell: Der Body-Mass-Index (BMI)

Heute schauen wir uns lieber den Body-Mass-Index (BMI) an. Der errechnet sich einfach: Gewicht geteilt durch Größe zum Quadrat. Welcher BMI nun normal ist, wurde festgelegt anhand von 2 Fragen:

  • Wie war der BMI der Menschen zu Zeiten, als es weder Mangel noch Überfluss gab?
  • Mit welchem BMI werden die Menschen am wenigsten krank und leben am längsten?

Dadurch ergeben sich folgende Grenzen:

  • <18,5 Untergewicht
  • 18,5-24,9 Normalgewicht
  • 25-29,9 Übergewicht
  • 30-34,9 Adipositas Grad 1
  • 35-39,9 Adipositas Grad 2
  • >40 Adipositas Grad 3

Je höher der BMI im Adipositas-Bereich ist, desto mehr steigt das Risiko.

Hier können Sie Ihren BMI berechnen

Ausgelegt für Erwachsene

Der optimale BMI

Auch das optimale Gewicht für Gesundheit und langes Leben ist heute bekannt. Das ist nicht, wie fälschlich angenommen, so niedrig wie möglich, sondern hochnormal, das bedeutet gegen 25, im Alter auch etwas höher.

Trotzdem ist der BMI erstmal nur eine Zahl. Rechnet man den BMI aus, hätte Wladimir Klitschko mit einer Größe von 198 cm und einem Gewicht von 109,6 kg einen BMI von 28 – formal Übergewicht und alles andere als ideal. Aber jeder hat Klitschko schon einmal halbnackt gesehen, der sieht nicht nach Übergewicht aus!

Übergewicht ist mehr Fett als BMI

Teddy bei der Körperfettmessung

Körperfettmessung

So werden wir Wladimir Klitschko mit dem BMI nicht gerecht. Denn fraglos hat er kein Gramm Fett zu viel, sondern besteht zu einem Großteil aus Muskeln.

Anders sieht das aus bei jemandem, der genauso groß ist und genauso viel wiegt wie Klitschko, aber statt Muskeln Fett an Bauch oder Po hat. Deshalb geht es bei der Frage, ob jemand durch Übergewicht gefährdet ist, nicht nur um das Gewicht oder den BMI, sondern viel mehr darum, woraus das Gewicht besteht. Muskeln müssen sicher anders bewertet werden als Fett. Und darum ist es erforderlich, zu prüfen, wie der Körper zusammengesetzt ist.

Tatsächlich definieren die medizinischen Leitlinien Adipositas nicht mit irgendeiner Zahl, sondern mit einem Zuviel an Fett!

Adipositas = Zu viel Fett

Zum Messen am besten geeignet sind nicht Fettwaagen (die viel zu ungenau sind), sondern Profi-Geräte wie BIA-Messgeräte. Diese zeigen uns die genaue Körperzusammensetzung an Muskeln, Fett, Wasser.

Noch wichtiger: Wo ist das Fett?

Gelegentlich fällt es auf, dass es Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt.

Historisch gesehen ist es so, dass Männer das Fett eher am Bauch, Frauen eher an der Hüfte haben. In der Vergangenheit war es nun so, dass Männer Herzinfarkte bekamen, bei Frauen war das eine Rarität. Seit wenigen Jahrzehnten bekommen Frauen genauso viele Herzinfarkte wie Männer. Zugleich fällt auf, dass Frauen genauso das Fett am Bauch bekommen. Und hier stellten sich Wissenschaftler die Frage, ob da ein Zusammenhang sein könnte.

Bauchfett macht krank!

Und tatsächlich hat sich herausgestellt, dass das Fett zwischen den Organen am Bauch eine Eigenschaft hat, die Fett an anderen Körperstellen nicht hat: Es produziert Hormone. Hormone, die krank machen, indem sie z. B. die Verkalkung der Arterien oder Diabetes (Zuckerkrankheit) fördern.

Bauchfett bei Übergewicht und Adipositas reduzieren

Bauchfett bei Übergewicht und Adipositas reduzieren

Auch hier gibt es Zahlen, die uns helfen, normal von Risiko zu unterscheiden. Dabei ist es sehr einfach zu messen: Erforderlich ist nur der Bauchumfang. Dieser wird gemessen in der Mitte zwischen unterster Rippe und oberen Beckenrand.

Bauchumfang bei Frauen

  • Risiko ab 80 cm
  • Erhöhtes Risiko ab 88 cm

Bauchumfang bei Männern

  • Risiko ab 94 cm
  • Erhöhte Risiko ab 102 cm

Daraus folgt:

Erhöhter BMI, aber normaler Bauchumfang: Schlecht für die Gelenke, aber kein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Erhöhter BMI und/oder erhöhter Bauchumfang: Erhöhtes Risiko

Doch um welches Risiko geht es?

Das Metabolische Syndrom

Neben dem vorzeitigen Verschleiß von Hüft-, Knie- und Fußgelenken (Arthrose), die für das hohe Gewicht nicht gemacht sind, und Rückenschmerzen ist die wichtigste Folge von Übergewicht ein Kombination an Problemen, die nicht genug bekannt sind: Das Metabolische Syndrom. Das Metabolische Syndrom ist auch bekannt als „tödliches Quartett“, denn es gehören 4 gefährliche Faktoren dazu:

  • Fettleibigkeit am Bauch
  • Insulinresistenz
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Dyslipoproteinämie (veränderte Blutfette)

Aufgrund der Überernährung und des Bewegungsmangels in Deutschland ist das metabolische Syndrom weit verbreitet und gilt als das entscheidene Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und ähnliches. Jeder der 4 Faktoren für sich ist bereits als Risiko für Arterienverkalkung (Arteriosklerose) bekannt:

Fettleibigkeit am Bauch

Wie weiter oben schon beschrieben, ist hier das Problem, dass das sogenannte viscerale Fett (Fett zwischen den Bauchorganen) Hormone produziert, die krank machen. Messen kann man das Risiko durch den Bauchumfang.

Insulinresistenz

Insulinresistenz ist eine Stoffwechselstörung, die vor allem bei Übergewicht und Überernährung entsteht. Dadurch reagieren die Körperzellen nicht mehr so gut auf Insulin, wodurch diese Zellen den Zucker nicht mehr ausreichend aus dem Blut holen. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel. In der Folge muss die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin produzieren, um noch genug Wirkung zu erzielen. Leider werden die Körperzellen dadurch noch unempfindlicher und das Ganze entwickelt sich zum Teufelskreis. In der Folge liegt sowohl ein zu hoher Blutzuckerspiegel als auch ein zu hoher Insulinspiegel vor. Beides schädigt auf Dauer die Blutgefäße und sorgt für die Vermehrung des Körperfetts.

Bluthochdruck

Ist in einer Wasserleitung dauerhaft der Druck zu hoch, fliegen irgendwann Dichtungen raus. Genauso schädigt ein zu hoher Blutdruck auf Dauer die Blutgefäße, die für diesen Druck nicht gemacht sind.

Dyslipoproteinämie

Die Veränderung der Blutfette macht sich vor allem durch erhöhtes LDL (sogenanntes „schlechtes Cholesterin“) und verringertes HDL (sogenanntes „gutes Cholesterin“) und erhöhte Triglyceride bemerkbar. Dies sorgt für zunächst Fetteinlagerungen und dadurch Verkalkungen in den Arterien.

Nutzen der Gewichtsabnahme

Welchen Nutzen die Gewichtsabnahme hat, kann direkt aus dem vorher Gesagten abgeleitet werden:

  • Nicht früher sterben als nötig
  • Weniger schwere Erkrankungen
  • Weniger chronische Erkrankungen
  • Seltener erkältet
  • Fitter, vitaler, belastbarer, leistungsfähiger
  • Optimale Versorgung des Körpers
  • Optimales Wohlfühlen
  • Leichter bewegen
  • Weniger Gelenkschmerzen
  • Weniger Schwitzen
  • Wenn schon eine Krankheit da ist: Oft weniger Medikamente nötig, weniger Verschlechterung der Erkrankung

Übergewicht und Adipositas richtig und dauerhaft abnehmen

Abnehmen kann jeder. Mehr oder weniger. Zumindest hat jeder eine Meinung dazu, wie das am besten geht. Zeitschriften, Fernsehen, Internet präsentieren uns unzählige Möglichkeiten, einfach oder kompliziert, schnell oder langsam abzunehmen. Und statistisch gesehen macht jeder Deutsche mehrfach im Leben eine Diät. Doch was ist nun richtig?

Es gibt über 500 Diäten

Mal soll es der Verzicht auf Kohlenhydrate sein, mal der Verzicht auf Fett. Mal nur Eier, mal keinesfalls Eier. Nur noch Salat oder nur noch Fleisch. Über 500 verschiedene Diäten sollen uns helfen, das Fett zu verlieren. Alles soll helfen – und oberflächlich betrachtet hilft vieles auch zunächst. Zunächst! Als Beispiel für diese 500 Diäten soll hier FDH gelten.

FDH – Von allem die Hälfte

Salbei - Wegen des intensiven Geschmacks lieber sparsam verwenden

Salbei
Wegen des intensiven Geschmacks lieber sparsam verwenden

FDH bedeutet, einfach nur noch die Hälfte von dem zu essen, was uns bisher den Fettbauch bereitet hat. Nur noch die Hälfte – das klinkt doch vernünftig, denn das bedeutet eben auch: Nur noch halb soviel Fett und nur noch die Hälfte Kalorien. Und tatsächlich funktioniert dies Erfolgsrezept: Abnehmen geht damit.

  • Nur noch die Hälfte Fett – das kann ganz vernünftig sein angesichts des erhöhten Fettkonsums in Deutschland.
  • Nur die Hälfte Kohlenhydrate – könnte knapp werden, wenn dann Ballaststoffe fehlen.
  • Nur die Hälfte Eiweiß – das wird in jedem Fall ein Problem.

Eiweiß ist bei FDH der Knackpunkt. Das größte Einweißvorkommen in unserem Körper sind die Muskeln. Und diese Muskeln sind unsere besten Freunde, wenn wir abnehmen wollen, denn sie sind der größte Kalorienverbraucher. Eiweiß wird außerdem gebraucht, um daraus Antikörper, Hormone, Enzyme, Blutgerinnungsfaktoren usw. zu bauen. Hierfür benötigt der Körper ständig Eiweiß – und wird es nicht mit der Nahrung zugeführt, muss der Körper es daher nehmen, wo es am ehesten verzichtbar ist: Aus den Muskeln und dem Bindegewebe.

Dadurch führt FDH zwingend dazu, dass während dieser Diät Muskeln abgebaut werden. Nach Beendigung von FDH hat der Körper nun weniger Muskeln als vorher. Weniger Muskeln, die Kalorien verbrauchen. Beginnt nun nach der Diät wieder die halbwegs normale Ernährung, sind weniger Muskeln da als vorher, die gegessenen Kalorien zu verbrauchen. Damit sind jetzt viele Kalorien übrig, die der Körper aber nicht wegschmeißt, sondern für schlechte Zeiten speichert. Und der Körper speichert Kalorien in Form von Fett. Nach einiger Zeit ist oft das Ausgangsgewicht wieder erreicht – im Gegensatz zu vorher aber mit mehr Fett.

Zugleich führt reduziertes Bindegewebe zu schlafferer Haut, reduzierte Vitamine zu einem weniger gesundem Körper.

FDH macht schwächer, fetter und krank

Auf diese Weise könnten hier auch die anderen 500 Diäten besprochen werden. Alle mit einem Ergebnis:

  • Abnehmen geht mit vielen Diäten
  • Nicht dabei krank werden ist schon viel schwieriger
  • Das Gewicht hinterher halten ist fast unmöglich

Aus einem einfachen Grund: Bei fast allen Diäten werden fundamentale Erkenntnisse der Ernährungsmedizin missachtet, die wir heute haben.

Wer abnehmen will, mache keine Diät

Richtig abnehmen und den Erfolg dauerhaft halten

Alles, was nicht auf eine dauerhafte Änderung zielt, ist zum Scheitern verurteilt. So gern wir uns im Leben vieles leichter machen wollen und nach Abkürzungen suchen, diese Abkürzung gibt es nicht, wenn wir auf Dauer das Gewicht verändern wollen.

Die Veränderungen, die am allerwichtigsten sind, sind Ernährung und Bewegung. Kurz gesagt: Wer nicht bereit ist, seine Ernährung dauerhaft zu verbessern und sich mehr zu bewegen, braucht eine Gewichtsabnahme überhaupt nicht zu beginnen.

Was nun die richtige Ernährung ist, ist trotz all der gegensätzlichen Informationen in der Medizin bekannt. Es gelten heute folgende Prinzipien:

  • Begrenzt und bewusst
    • Nur dann wird die richtige Menge gegessen
    • So wird das Sättigungsgefühl erlebt
    • Alle Hormone sind bei der Sache
  • Kalorienreduziert
    • Aber nicht hungern
    • Aber nicht untergewichtig werden
  • Vitamin- und Mineralstoffreich
    • Aber salzarm
  • Kohlenhydratreich
    • Aber zuckerarm
    • Ballaststoffreich
  • Eiweißoptimiert
    • Hochwertiges Eiweiß
  • Fettmodifiziert
    • Die richtigen Fette
  • Alkoholbegrenzt

Diese Prinzipien sind gute Schlagworte – die aber erklärt werden müssen, damit jeder sie im Alltag umsetzen kann. Besonders wichtig ist, was diese Prinzipien in Form von konkreten Lebensmitteln bedeuten – Wieviel wann wovon!

Dabei darf auch die Lebensqualität nicht zu kurz kommen. Deshalb empfehlen wir

  • natürlich keine Hungerdiät
  • kein Kalorienzählen
  • kein Punktezählen
  • das Essen soll schmecken

Wo gibt es Hilfe zum Abnehmen?

Bei unzähligen Angeboten überall fordern wir, dass bestimmte Bedingungen erfüllt werden müssen, um eine vernünftige Qualität der Beratung zu gewährleisten:

  • Der Gesundheitszustand soll beim Abnehmen ärztlich überwacht werden
  • Das Programm muss sich ausschließlich nach den aktuellen medizinischen Leitlinien richten
  • Vorträge zur richtigen Ernährung und individuelle Einzelberatung sollten sich ergänzen
  • Das gesamte Team darf nur aus Fachkräften bestehen
  • Regelmäßige Körperfett-Messungen müssen sicherstellen, dass wirklich Fett – und nicht Muskeln oder Wasser – abgenommen wird
  • Die Schweigepflicht sollte gesetzlich festgelegt sein
Abnehmkurs in der Gemeinschaftspraxis Südheide

Abnehmkurs in der Gemeinschaftspraxis Südheide

Auf diese Minimalbedingungen hin sollte jeder ein Angebot prüfen. Dass wir diese Bedingungen in unserem Abnehmprogramm erfüllen, versteht sich von selbst.

Und dort erläutern wir die Prinzipien des erfolgreichen Abnehmens genauso wie die praktische Umsetzung im Alltag.